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WP-Krise - 10 Punkte

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Details

Brüssel kündigt Sanierung an.

Kommissar Barnier erläutert die neue Abschlussprüfung Quelle wp.net Magazin 2011

  • 2007 Subprimekrise 
  • 2008 Bankenkrise
  • 2009 Staatskrise
  • 2010 Eurokrise
  • 2011 WP-Krise
Das Vertrauen der Anleger in die Banktestate ist auf einem Tiefpunkt angekommen. Der europäische Gesetzeber - die Kommission - plant den regulatorischen Overkill, meint die NZZ Journalistin Christin Servin. Was ist denn da passiert, dass Brüssel den mehrfachen Untergang der Big4-Wirtschaftsprüfung plant? Das Vertrauen der Anleger in die Banktestate ist auf einem Tiefpunkt angekommen. Der europäische Gesetzeber - die Kommission - plant den regulatorischen Overkill, meint die NZZ Journalistin Christin Servin. Was ist denn da passiert, dass Brüssel den mehrfachen Untergang der Big4-Wirtschaftsprüfung plant?
WP fundamentale Erneuerung  Quelle wp.net-verband.de

Was wurde in Deutschland in den letzten 10 Jahren nicht alles unternommen, um die Testate verlässlicher zu machen? Vier WPO-Novellen - einige HGB-Novellen - jährliche Anpassungen der Wirtschaftsprüfersatzungen und - überquellende IDW Prüfungs- und -Rechnungslegungsstandards.
Der Gesetzgeber übertrug 2007 der Wirtschaftsprüferkammer zusätzliche Rechtsverfolgungskompetenzen über die Wirtschaftsprüfer und stärkte damit nur die Selbstkontrolle der Bankenprüfer. Denn die Qualitätskontrolle ist eine Domäne der Big4.
Masse statt Klasse! Es wäre besser, dafür zu sorgen, dass Demokratie in die Wirtschaftsprüferkammer einzieht und damit die Gesetze bei allen gleich und gerecht angewendet werden.
Das jüngste Beispiel aus der „flexiblen“ Kammerrechtsanwendung ist die Auslegung des § 319a I HGB zur Unabhängigkeit des Abschlussprüfers.

Der Kammer wurde folgende Beschwerde vorgetragen: Eine KPMG-Tochter prüfte das Börsenunter- nehmen Klöckner schon viele Jahre und erzielte damit nahezu seine gesamten Einnahmen. Nach der bisherigen Interpretation des Gesetzes würde ein Ausschlussgrund als Abschlussprüfer wegen Überschreitung der Umsatzgrenzen vorliegen.
Denn bislang galt die strikte Regel: Der Abschlussprüfer darf nicht mehr Abschlussprüfer sein, wenn er in den letzten 5 Jahren über 30 % bzw. 15 % der Einnahmen mit diesem Mandat erzielt. Abschlussprüfer sind keine Sozietäten, berufliche Netzwerke, oder gar Prüferkonzerne. Nur eine Gesellschaft oder eine WP-Einzelpraxis kann gesetzlicher Abschlussprüfer sein. Nach spätestens 5 Jahren mußte der Abschlußprüfer ausgewechselt werden.

Die Kammer kommt nach Prüfung der Beschwerde zum Ergebnis:
Hier kann man eine Gesamtbetrachtung der Einnahmen anstellen, also die Einnahmen der gesamten KPMG-Group zusammenzählen und damit bleibt die „KPMG-Tochter“ unter der 15%-Grenze und Abschlussprüfer der Klöckner AG.

Ein weiterer Zivilisationsbruch zeigt sich auch darin, dass Vorstände der Big4 die Wirtschaftsprüfung zu ihrem alleinigen Geschäftsfeld erklären. Bei Lichte betrachtet muss man aber erkennen, dass das Big4-Prüfungs- und Geschäftsmodell in den letzten zehn Jahren – trotz der sog. Qualitätskontrolle und Prüferaufsicht - den Nachweis nicht erbracht hat, dass es für vertrauenswürdige Abschlüsse sorgen kann.

WP Brüssel Bautafel Erneuerung Wirtschaftsprüfung Quelle wp.net-verband.de

Eine Tragik des Big4-Prüfungsmodells ist darin zu sehen, dass es sich durch seine Erfolglosigkeit sogar noch stabilisiert. Dies hat der FTD-Journalist Sven Clausen 2007 markant und deutlich beschrieben. „Im Tal der Ahnungslosen" titelte er seine Überlegungen und nannte sie wie folgt: „Die Wirtschaftsprüfer (im Text bezog er sich auf Wirtschaftsprüfer-Branche) verdienen am eigenen Unvermögen“.

Dass die drei verbliebenen Landesbankenprüfer KPMG, PwC und Ernst & Young seit dem Ausbruch der Krise beim Honorarvolumen stark zugelegt haben, belegt deutlich diese Geschäfts- und Ertragsformel. Die Bankenprüfer verdienen heute prächtig daran, dass sich die Banken unter ihren Prüferaugen mit den Müllkrediten vollgestopft haben und nun auch an der Sanierung verdienen dürfen.

Ganz gefährlich wird es scheinbar für Unternehmen, je mehr von den Big4-Prüfern in die Prüfung involviert sind. Bayern kann ein kostspieliges Lied davon singen. Im Jahr 2007 waren alle Big4-Konzerne bei der Bayern LB dabei, entweder als Berater, als Prüfer, oder als Gutachter und haben reichlich aus dem Berater- und Prüfertopf der Mutter und ihrer Töchter (rund 40 Mio. €) erhalten. Dem bayerischen Steuerzahler hat dieser vierfache Big4-Prüfer-Excellenzeinsatz nichts gebracht. Ganz im Gegenteil! An der fachlichen Qualifikation kann es wohl nicht gelegen haben.

Wir wollen, dass das heute vorherrschende Big4-Prüfungsmodell, die Industrialisierung der Abschlussprüfung, von der Politik in die Schranken gewiesen wird. Wir fordern, dass die eigentliche Funktion der Abschlussprüfung wieder in den Vordergrund gestellt wird. Dies wird nur gelingen, wenn die hinter den Kulissen wirkende mächtige Big4-Lobby transparent gemacht wird.

Die Prüfung der Jahresberichte ist keine Selbstbeschäftigung. Die Bedingungen, in denen Abschlussprüfer von kapitalmarktorientierten Unternehmen ihre Aufgaben zu erfüllen haben, sind so zu gestalten, dass es einem Menschen auch möglich ist, mängelfrei das Amt des Abschlussprüfers auszuüben. In der “mängelschwangeren" Umgebung des großen Geldes zu prüfen und dabei unabhängig und unbefangen zu bleiben, diese Rechnung ging bislang nicht auf und kann auch mit noch so vielen Kontrollen nicht aufgehen. Den verantwortungsvollen Dienst für den Kapitalmarkt anforderungsgerecht zu erfüllen, erfordert unter den aktuellen Bedingungen eher einen „Prüfer mit Heiligenschein", aber keine scheinheilige Prüferei. Wir sind sogar der Meinung, dass bei den aktuellen Prüfungsbedingungen auch aus einem Paulus ein Saulus werden kann. Staat und Rechtsprechung müssen korrigierend im Sinne des Amtes einzugreifen wissen. Wenn die WPK eine Selbstverwaltung sein soll, dann darf die Mehrheit des Berufsstands nicht durch ein postdemokratisches Wahlrecht ausgegrenzt werden. Das Fachwissen für die Urteilsfähigkeit muss eine Selbstverständlichkeit sein. Die Ausbil- dung und das schwere Examen sind immer noch Garant für gute Fachkenntnisse. Die zu gewährleistende Urteilsfähigkeit ist immer leicht überprüfbar. Wichtiger denn je sind die Worte Eugen Schmalenbachs:

„...Der Beruf muss von Anfang an von ethisch unzuverlässigen Elementen frei gehalten werden“.

Die Wirtschaftsprüfer haben sich vorrangig um Ihr Amt als erster Sachwalter für verlässliche Unternehmensberichte zu bemühen und Prüfungstätigkeiten nicht als Ankerfunktion für lukrative Beratungsaufträge zu missbrauchen. Das folgende 10-Punkte-Programm für eine anspruchsvolle Wirtschafts- und Abschlussprüfung kann wieder Vertrauen schaffen.

 

 

Den vollständigen Artikel finden Sie, mit allen Fußnoten, im wp.net Magazin 2011. 
Sie können in hier auf der Site ansehen oder hier als PDF Dokument herunterladen


   

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