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Hohe Gefährdung der HRE

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beim JA 2007 im Testat ausgeblendet, täglicher Kassenbericht an Bundesbank im Testat ignoriert!

Die Testate für das Geschäftsjahr 2007 wurden in der Regel ab Ende März 2008 erteilt. Nach 9 Monaten Finanzkrise sollte sich diese auch bei den Bankenprüfern herumgesprochen haben. In Deutschland mussten 2007 die IKB und die SLB gerettet werden. In Großbritannien die Northern Rock, in den USA mussten schon viele Banken schließen, so die New Century Financial.

Wegen Mängeln bei der Prüfung dieser Bank wurde die KPMG in den USA verklagt. Inzwischen haben die Kontrahenten einen Vergleich geschlossen.

Wenn es um die Unternehmensgefährdung geht, verlangt das HGB, dass der Abschlussprüfer auch die Öffentlichkeit durch Hinweise im Testat neben rechtlichen Gründen (z. B. drohende Verweigerung von behördlichen Zulassungen) auch wirtschaftliche Gründe haben, z.B. wenn absehbar ist, dass das Unternehmen mit seiner Refinanzierung Probleme bekommt. Denn der Anleger oder Kapitalgeber muss wissen, dass Risiken existieren, die über die allgemeinen Unternehmensrisiken hinausgehen, oder anders gesagt: Ab wann mutiert das Investment vom Wertpapier zum Zockerpapier? Deswegen muss das Testat nach § 322 Abs. 2 HGB gesondert auf: „Risiken, die den Fortbestand des Unternehmens oder eines Konzernunternehmens gefährden“ eingehen. Dieser Hinweis im Testat ist keine Einschränkung, dürfte aber trotzdem deutliche Spuren im Börsenkurs hinterlassen, weil er das Wertpapier „Aktie“ zu einem „Zockerpapier“ verwandelt.

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Ein Jahre später, die Krise ist schon fast 2 Jahre alt, finden sich in den Testaten 2008, ausgestellt gegen Ende März 2009, vereinzelt solche Hinweise. So hat die BDO kurz vor der Arcandor-Pleite - im letzten Testat also - auf die drohende Pleite hingewiesen, falls Kredite nicht verlängert werden würden. So kam es schließlich auch. Ebenfalls das HRE-Testat 2008 vom 9.4.2009 bekam, nachdem die HRE mit 100 Mrd. € staatlicher Mittel gerettet wurde, von der KPMG einen Hinweis ins Testat geschrieben.
Diese späten KPMG-Hinweise sind faktisch keine Hinweise auf die HRE-Unternehmensgefährdung mehr, denn das, was die KPMG der Öffentlichkeit ein Jahr später mitteilte, war inzwischen der Öffentlichkeit bestens bekannt. Was könnte die KPMG daran gehindert haben, die Warnung nicht schon im Testat 2007 auszusprechen?

KPMG Prüfung ohne Erkenntnisse

Der Kauf der Depfa machte die HRE-Aktie zum Zockerpapier, denn das Geschäftsmodell der Depfa war hochriskant und auslaufend. Ende 2007 waren deren Aktiva - immerhin 217,9 Mrd. Euro – zu 63,7 % kurzfristig refinanziert worden, der überwiegende Teil der Finanzierung hatte eine Laufzeit von unter einem Monat. Zur Refinanzierung mussten die Depfa-Banker täglich die Finanzmärkte scannen, hörte man aus dem HRE Untersuchungsausschuss von dort befragten Fachleuten.

KPMG war auch der Due Diligence Prüfer der HRE beim Depfa-Kauf. Diese Prüfung glich eher einer Farce. Nur zwei Wochen hatte die KPMG Zeit, die komplexe Bank zu durchleuchten. Das Überleben der HRE hing nach BaFin-Chef Sanios Aussage seit dem DEPFA-Kauf 2007 davon ab, dass sich die DEPFA ihre kurzfristigen Schulden immer wird über Banken refinanzieren konnte. Die Fortführung der HRE war durch den DEPFA-Kauf also permanent gefährdet, weil mit Beginn der Finanzkrise 2007 das eingebrachte Geschäftsmodell nicht mehr funktionierte. Der Bankenaufsicht war dies bewusst und diese legte deswegen auch einen besonderen Blick auf die Aufrechterhaltung der HRE-Liquidität. Auf Drängen der BaFin musste die HRE ab Januar 2008 tägliche Liquiditätsmeldungen bei der Bundesbank einreichen. BaFin Chef Sanio umschrieb die Lage der HRE als Zeuge gegenüber den Abgeordneten des HRE Untersuchungsausschuss am 30.7.2009 wie folgt: „Die Krise vom September 2008 HRE war keine Krise der strukturierten Produkte, sondern eine Liquiditätskrise. Deswegen kann die Entscheidung der BaFin als richtig angesehen werden, die HRE unter tagtägliche Liquiditätsbeobachtung (ab Januar 2008, Anm. Autor) zu stellen“. Dieser tagtägliche Liquiditätsraport der HRE an die Bundesbank war nach Sanio eine ungewöhnliche, eine einmalige Angelegenheit in der deutschen Bankenlandschaft. Zur Tragweite eines solchen täglichen Liquiditätsberichtes sagte Sanio im HRE-Untersuchungsausschuss auf die Frage, ob auch das Finanzministerium deutlich gewarnt wurde:

„...die täglichen Liquiditätsberichte sind ungefähr was Einmaliges; mir fällt jetzt aus dem Stand kein zweiter Fall ein, wo wir das schon mal angeordnet hatten -, da nun noch rüberzuschreiben „Alarm“ oder das in Rot zu schicken oder so. Das zuständige Fachreferat des BMF wird gemerkt haben, dass das sicherlich etwas war, was sich außerhalb des Gewöhnlichen vollzogen hat“.

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Auch die BaFin muss handeln, öffentlich werden und vor gefährlichen Finanzdienstleistungsprodukten und ihren Vertriebsorganisationen warnen. Bei der HRE war von Verbraucherschutz nichts zu merken. Die HRE musste ab Januar 2008 einen täglichen Liquidiätsraport bei der Bundesbank abliefern, der Verbraucher wird darüber im Dunkeln gelassen. Auch der Abschlussprüfer zieht daraus keine Konsequenzen, kein Hinweis auf die Unternehmensgefährdung.
Befremdlich mutet dazu der Brief aus dem Hause der BaFin an, als wir uns bei der BaFin nach deren Aufsichtsarbeiten und der Bedeutung dieses täglichen Liquiditätsraports erkundigten . Plötzlich erscheint der tägliche Liqiditätsraport als etwas, was auch andere Banken betraf. Warum stellt Sanio den täglichen Bericht gegenüber den Abgeordneten dann als etwas einmaliges dar?
Auch die Abgeordneten des HRE Untersuchungsausschusses (UA) hatten zwischen den Aussagen Sanios und denen des Abschlussprüfers Unterschiede ausgemacht, die aber wegen des nahen Endes des Ausschusses nicht mehr aufgeklärt werden konnten.
Wir halten die Aussage von Präsident Sanio im Untersuchungsausschuss für glaubwürdig. Das Unterlassen eines Hinweises im Testat 2007 ist der entscheidende Mangel, der viele Anleger weiter in die zum Zockerpapier mutierte die HRE-Aktie investieren ließ. Gerade unter Berücksichtigung des Risikoberichts des Vorstands bekommt das Unterlassen eines Hinweises auch Sinn. Der Lagebericht 2007 sieht auch bei Verschlechterung der Marktlage kein Liquiditätsproblem, sondern vor allem ein Renditeproblem.
So schreibt der Vorstand auf Seite 95 im Lagebericht 2007: „…Sollte die signifikante Verschlechterung der Kreditmärkte und die Ausweitung der Spreads unvermindert weitergehen, ist nicht auszuschließen, dass die Hypo Real Estate Group wie auch andere Marktteilnehmer Liquiditätsengpässe erfahren könnten, was zu Restriktionen des Neugeschäftes führen würde."
Dies ist eine gewaltige Verharmlosung der finanziellen Situation bei der HRE, wenn man die wahre Lage aus dem Munde der BaFin mit der Aussage des Vorstands vergleicht. Eine Pleite führt zwar auch zu Restriktionen des Neugeschäfts, ist aber etwas gravierend anderes.

Die Bundesbank und auch die KPMG haben in einer Analyse zusammengefasst, auf was die HRE angewiesen war:

  1. Offene Märkte zur Refinanzierung und
  2. Erhalt der Reputation.

Da die Due Diligence wenig ergiebig war - ein Teil der angeforderten Unterlagen sei nicht in den Informationsraum eingestellt worden - wurde nachträglich eine sogenannte Confirmatory Due Diligence durchgeführt. Diese Prüfung offenbarte schwerwiegende Liquiditäts- probleme. Auch die Funke-Klageerwiderung spricht davon, dass die Depfa in der Risk-Committee-Sitzung am 4.9.2007 „zuvor praktisch zahlungsunfähig gewesen sei „. Die Liquiditätslage der HRE war sehr angespannt (BaFin verlangte tägliche Liquiditätsberichte). Der Prüfer KPMG sah dies im internen Prüfungsbericht ebenso. Dass trotzdem kein Hinweis nach § 322 HGB im Testat an die Öffentlichkeit erfolgte, halten wir für einen massiven Fehler in der Berichtspflicht, die dem Berufsstand der Wirtschaftsprüfer großen Vertrauensschaden zugefügt hat.

Aus dem europäischen Parlament haben wir erfahren, dass es eine Prüfungsgesellschaft gab, die bei einer Bank nicht mehr uneingeschränkt testieren wollte. Wirtschaftsprüfer fragen sich: War das Testat zum Jahresabschluss 2007 vom 28. März 2008 kein eigenverantwortliches Testat mehr, sondern ein politisches? Spielten politische Überlegungen bei der Unterlassung des Hinweises auf die Unternehmensgefährdung eine Rolle? Es mag sein, dass der Hinweis auf die Unternehmensgefährdung bereits im März 2008 eine Lawine losgetreten hätte, die wahrscheinlich schon ein halbes Jahr früher zur Rettungsaktionen der HRE geführt hätte.

Wenn solche Überlegungen den Abschlussprüfer beeinflusst haben sollten, dann hat das WP-Testat die Schwelle zum politischen Testat überschritten und dient nicht mehr als Bewahrer der Spielregeln für den Finanz- und Kapitalmarkt Deutschlands.

Den vollständigen Artikel finden Sie, mit allen Fußnoten, im wp.net Magazin 2011. 
Sie können in hier auf der Site ansehen oder hier als PDF Dokument herunterladen

   

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